Feigenkaktus – Opuntia ficus-indica

Text: Sukkulenten-Sammlung Zürich

Der Gewöhnliche Feigenkaktus wurde von den Kakteengesellschaften der drei deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich und Schweiz zum Kaktus des Jahres 2019 gewählt.

Kein anderer Kaktus spielt wirtschaftlich gesehen eine größere Rolle als der Gewöhnliche Feigenkaktus Opuntia ficus-indica. Die Art ist in Mexiko seit urgeschichtlicher Zeit eine wichtige Nutzpflanze und wird auch heute noch in großen Plantagen angebaut. Genutzt werden einerseits die Früchte als Obst (Frischgenuss, Saft, Sirup, Marmelade), andererseits auch die zarten Jungtriebe, die gekocht ein schmackhaftes Gemüse (unter dem Namen Nopalitos bekannt) liefern. Die Triebe des Feigenkaktus werden darüber hinaus auch als Viehfutter genutzt oder dienen der Kultur der Cochenillelaus, die den roten Farbstoff Karmin liefert.

In Europa ist der Gewöhnliche Feigenkaktus seit der frühen Renaissance bekannt, als die spanischen Konquistadoren erste lebende Pflanzen aus Mexiko mitbrachten. Aus dieser Zeit stammt auch der wissenschaftliche Artname der Pflanze: ficus-indica bedeutet „indische Feige“. Er nimmt auf die feigenähnliche Form der Früchte Bezug sowie auf die Herkunft, wobei „Indien“ damals die Neue Welt bezeichnete. Der Gattungsname Opuntia wurde 1548 erstmals in Italien benutzt – er bezieht sich auf eine rätselhafte Pflanze in den frühen griechischen und römischen Kräuterbüchern, die aus den Blättern Wurzeln schlägt.

Was beim Gewöhnlichen Feigenkaktus wie Blätter aussieht, sind allerdings botanisch gesehen gar keine Blätter, sondern abgeflachte, wasserspeichernde Triebe, also gewissermassen flache und grüne Äste. Und wie für die Verwandtschaft der Feigenkakteen typisch, sind über die Trieboberfläche kleine Büschelchen mit ganz feinen, borstenähnlichen Dörnchen verteilt – diese als Glochiden bezeichneten Dörnchen machen das Hantieren mit den Feigenkakteen etwas mühsam: Sie sind mit mikroskopisch feinen Widerhäkchen versehen und lassen sich deshalb nur schwer aus der Haut entfernen. Am besten geht es mit einer Pinzette und viel Geduld, oder mit einem Klebeband, das vorsichtig über die betroffenen Hautstellen gestrichen wird.

Wegen der vielen unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten wurde der Gewöhnliche Feigenkaktus im Laufe der Jahrhunderte in vielen Ländern mit geeignetem Klima angepflanzt. Dank der großen Wasserspeicher in den Triebsegmenten können die Feigenkakteen auch unter sehr trockenen Bedingungen gut gedeihen, und vielerorts haben sie sich als invasive Pflanzen (Neophyten) etabliert – insbesondere auf den Kanaren, in Südafrika und ganz besonders in Australien. Weil auch Fragmente einzelner Triebsegmente leicht Wurzeln schlagen, ist die Ausrottung schwierig.

Auch in Europa fühlt sich der Gewöhnliche Feigenkaktus in den weitgehend frostfreien Mittelmeergebieten wohl. Kultivierte wie verwilderte Pflanzen, gehören schon fast zum charakteristischen Landschaftsbild der italienischen Küsten – zusammen mit der ebenfalls aus der Neuen Welt eingeführten und verwilderten Amerikanischen Agave (Agave americana).

Für die Kultur nördlich der Alpen wird der Gewöhnliche Feigenkaktus rasch zu groß, zumindest für das Fenstersims – ausgewachsene Pflanzen werden bis 6 Meter hoch und bilden dann dichte, ausladende Sträucher oder kleine Bäume. Topfkultur ist aber möglich, und wenn ein Wintergarten für eine trockene, kühle und frostfreie Überwinterung vorhanden ist, steht dem Erfolg nichts im Wege: Bereits an Pflanzen von 1,5 Metern können Blüten erwartet werden.

 

Bildmaterial:

Bild01: Verwildert oder kultiviert: In Italien trifft man in frostfreien Gebieten immer wieder auf die typischen Pflanzen des Gewöhnlichen Feigenkaktus.
Bild02: Der Gewöhnliche Feigenkaktus lässt sich auch gut im Topf kultivieren und trägt dann zum mediterranen Ambiente auf dem Sitzplatz bei.
Bild03: Blütenknospe des Gewöhnlichen Feigenkaktus.
Bild04 & Bild05: Blüte des Gewöhnlichen Feigenkaktus.
Bild06 & Bild07: Unreife und reifende Früchte des Gewöhnlichen Feigenkaktus.
Bild08: Reife Früchte des Gewöhnlichen Feigenkaktus.
Bild09: Jungtriebe des Gewöhnlichen Feigenkaktus werden entdornt, in Streifen geschnitten, und in Salzwasser gedünstet – und fertig sind die traditionellen mexikanischen Nopalitos!
Bild10a + b: Reife, aufgeschnittene Früchte des Gewöhnlichen Feigenkaktus.

Bildquellen:
Bild01, Bild06, Bild07, Bild08, Bild10a, Bild10b: Urs Eggli.
Bild02, Bild05: Daniel Bühlmann.
Bild03, Bild04, Bild09: Archiv Sukkulenten-Sammlung Zürich.

In 16 regionalen Vereinen, den sogenannten Ortsgruppen der SKG, werden das Hobby sowie Kontakte gepflegt, Kenntnisse ausgetauscht und Vorträge über Kakteen und andere Sukkulenten organisiert. Jedes Jahr werden Kakteenbörsen veranstaltet.

Weitere Auskünfte erteilt gerne die

Schweizerische Kakteen-Gesellschaft, CH – 5400 Baden

Web: www.kakteen.org

Mail: skg@kakteen.org

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